„Die verstehen nicht, dass wir keine Italiener sind“


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LANA – Die deutsche überregionale Tageszeitung „DIE WELT“ (Auflage 250.000, Verkauf in 130 Ländern der Welt, Reichweite: 0,71 Millionen Leser) hat in ihrer Ausgabe vom 8. Juli 2011, auf Seite 7 einen Artikel der Journalistin Nadja Wolf unter dem Titel „Die verstehen nicht, dass wir keine Italiener sind“ abgedruckt.

Wir veröffentlichen den Artikel an dieser Stelle vollinhaltlich.

„Die verstehen nicht, dass wir keine Italiener sind“

Vor 50 Jahren erklärte der „Befreiungsausschuss Südtirol“ Italien den Unabhängigkeitskrieg. Die Bürger forderten Autonomie – so wie einige bis heute.

Sepp Mitterhofer trägt eine blaue Arbeitsschürze über seiner Kleidung. Er sitzt in seiner Bauernstube in Meran vor einem grünen Kachelofen, auf dem Tisch steht eine Schale mit glänzenden Äpfeln aus dem eigenen Garten. Die Leute nennen ihn Terrorist, Zündler und Aufhetzer. „Ich bin auch dabei gewesen – war fast führend. Ich hab auch gesprengt“, sagt er. Als Freiheitskämpfer wollte er die Umsetzung des Autonomiestatus erzwingen, der nach dem Zweiten Weltkrieg ausgehandelt, aber nur zum Teil umgesetzt worden war. Acht Jahre hat er dafür im Gefängnis gesessen und Folter ertragen.

Mitterhofer: Nur eine Übergangslösung

Heute besitzt Südtirol weitgehende Autonomierechte, aber für Mitterhofer kann das nur eine Übergangslösung sein. Er und seine Leute bereiten sich auf den Tag vor, an dem sich Südtirol unabhängig erklären wird. Wenn jemand das für eine Illusion hält, regt ihn das auf, aber er lächelt dennoch, und seine blauen Augen blitzen triumphierend zwischen den faltigen Lidern hervor: Im Kosovo hätten sie es doch auch geschafft.

Mitterhofer spricht einen starken Tiroler Dialekt – Italienisch hat er verlernt. Er ist der Vorsitzende des Südtiroler Heimatbundes und Mitgründer der Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung. Die Gruppe verteilt Wurfblätter und führt Umfragen durch.

Mit einer neuen Befragung wollen sie herausfinden, ob eine Mehrheit für eine Loslösung von Italien stimmen würde. Die Arbeitsgruppe hat einflussreiche Mitglieder. Zum Beispiel Paul Bacher, Landeskommandant der Südtiroler Schützen. In dem kleinen, von Bergen eingekesselten Land trotzen die Trachtler mit ihren Bataillonen und Kompanien der italienischen Lebensart.

Die Schützen haben fast 7000 Mitglieder – bei einer Gesamtbevölkerung von etwa einer halben Million. Ihr Sitz ist im Haus der Kultur gleich neben dem Landtag. Sie verfolgen andere Ziele für Südtirol als Mitterhofer: „Wir wollen die Rückkehr zu Österreich“, sagt Bacher. Aber er meint, solange sich Italien an alle Vereinbarungen halte, sei das wohl nicht zu machen.

Südtiroler Landeshauptmann kennt ihre Ansichten

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder kennt diese Ansichten. Oft sitzt er in seinem Büro im Landtag in Bozen und empfängt zur Bürgersprechstunde. Er spricht ebenso fließend Deutsch wie Italienisch. Seine Wähler rechnen es ihm an, dass Südtirol Vollbeschäftigung hat und keine Schulden; und dass Durnwalder den Anspruch hat, Landeshauptmann für alle zu sein.

Ein eigener Staat Südtirol, wie ihn manche wünschen, wäre schön, sagt Durnwalder, aber er sei Realist. Und es gäbe wichtigere politische Fragen. Schließlich hätten die Südtiroler inzwischen zu einem Miteinander gefunden. Die Einladung zur 150-Jahr-Feier Italiens Anfang des Jahres hat er dennoch ausgeschlagen. Die Reaktionen haben ihn damals überrascht. Sogar der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hat ihm einen verärgerten Brief geschrieben.

Er fühlt sich als Südtiroler

„Die können einfach nicht verstehen, dass wir keine Italiener sind“, sagt Durnwalder. Er fühlt sich als Südtiroler, als Angehöriger einer österreichischen Minderheit, die einen italienischen Pass hat. Es ist ihm wichtig, dass auch die Jüngeren über die Geschichte des Landes Bescheid wissen: dass Südtirol 1919 annektiert wurde. Dass die Entente-Mächte den Italienern die österreichische Region versprochen hatten, damit Italien an ihrer Seite in den Ersten Weltkrieg eintrete. Und dass Benito Mussolini die Deutschsprachigen systematisch italienisieren wollte. Der Landeshauptmann selbst hat diese Zeit miterlebt. Sein Vater bekam noch Schläge, weil er einen Tiroler Hut getragen hat. Er selbst musste als Kind den Namen Luigi tragen.

Durnwalder meint, die Leute, die wirklich gelitten haben, hätten es ihm nicht verziehen, wenn er zu der 150-Jahr-Feier gegangen wäre. So geht es dem Landeshauptmann oft: Er muss vermitteln. Bei den mehrsprachigen Ortsschildern, bei der Gestaltung der Standarte, die repräsentativ auch hinter seinem Schreibtisch steht, oder beim Streit über die alten Denkmäler.

In Bozen, der Hauptstadt des Landes, das für Äpfel, Wein und Urlaub bekannt ist, steht das Siegesdenkmal. Ein Triumphbogen inmitten eines Verkehrskreisels. Ganz oben prangt die Inschrift: „Von hier aus bildeten wir die Übrigen durch Sprache, Gesetze und Künste.“ Über dem Eingang des Finanzgebäudes, ein langgestrecktes graues Bauwerk, prangt metergroß ein monumentales Relief, das Mussolini grüßend auf einem Pferd sitzend zeigt.

„Ein Hitler-Denkmal in Deutschland?“

„Können Sie sich vorstellen, dass in Deutschland ein Hitler-Denkmal steht?“, fragt Durnwalder. Erst in den letzten Wochen kam Bewegung in die Denkmäler-Debatte. In den Katakomben unter dem Siegesdenkmal soll jetzt ein Dokumentationszentrum zur Südtiroler Geschichte entstehen. Das Relief über dem Finanzgebäude soll mit einer Milchglasplatte verblendet werden.

Warum aber hängen so viele an diesen Denkmälern? Antonio Frena, Chef der Demokratischen Partei, möchte beschwichtigen. Grundsätzlich würden die Südtiroler gut zusammenleben, betont er. Frenas Büro liegt etwas versteckt in einem mehrstöckigen Haus an einem Stadtplatz in Bozen. Der Politiker spricht gutes Deutsch. Seine Partei stellt den Bürgermeister von Bozen. Frena hat Verständnis für diejenigen, die sich für die Denkmäler einsetzen: „Von mir aus können sie den Mussolini abbauen und in den Keller der Geschichte bringen“, sagt Frena. „Aber für einige Italiener sind sie ein Symbol für Italien, ein Identitätssymbol. Auch für die Italiener, die nicht rechts wählen.“ Frena schätzt den Landeshauptmann, aber er meint, „das mit der österreichischen Minderheit“ würde zeigen, dass Durnwalder eben doch nicht für alle Südtiroler spreche, sondern nur für die Deutschsprachigen.

70 Prozent deutsch, 30 Prozent italienisch

Mehr als zwei Drittel der Bozener sind italienischsprachig. Landesweit sprechen fast 70 Prozent deutsch, knapp 30 Prozent italienisch, und es gibt noch eine kleine ladinischsprachige Minderheit. Der wohl berühmteste Südtiroler, Reinhold Messner, zählt sich zu keiner der Gruppen: „Ich bin kein Deutscher, kein Österreicher, kein Italiener – sondern ich bin Südtiroler. Eventuell noch Tiroler.“ Im Ausland muss er das etwas länger erklären. Messner sitzt auf der Terrasse vor seinem Museum, das in einem Schloss untergebracht ist, auf einem Berg über Bozen, und wünscht sich „Convivenza“ – ein Zusammenleben. Er hält alle Nationalstaaten für Fehlgeburten. Europa sei die Zukunft. Die Kulturen, meint er, sollen sich wieder entlang der Regionen bilden – über nationale Grenzen hinweg. Er möchte sich nicht vereinnahmen lassen. Als der Bergsteiger 1978 von der Mount-Everest-Besteigung zurückkam, feierten ihn seine Landsleute.

Ein Politiker sagte, der Reinhold habe das für Südtirol getan, er habe die Südtiroler Fahne auf den Everest getragen. Messner antwortete, er habe keine Fahne dabeigehabt und er habe es auch nicht für Südtirol getan. Er sagte: „Ich bin mir meine eigene Heimat, und mein Taschentuch ist meine Fahne“, und schwenkte sein Taschentuch. Als Heimatverräter und Nestbeschmutzer haben ihn manche daraufhin bezeichnet.

Loslösung Südtirols per Volksentscheid?

Ob eine Loslösung Südtirols von Italien per Volksentscheid ein demokratischer Vorgang wäre? Es wäre genauso ein Verbrechen an den italienischen und ladinischen Minderheiten, wie es den Deutschsprachigen ehemals widerfahren sei, sagt Messner. Sein Vater arbeitete zu der Zeit als Lehrer in den geheimen Katakombenschulen und unterrichtete die verbotene deutsche Sprache. Damals sei eine sehr starke germanophile Haltung entstanden, meint Messner. Er spricht über die Option von 1939: Hitler hatte schon in „Mein Kampf“ angekündigt, dass er auf Südtirol verzichten würde, um das Bündnis mit Rom nicht zu gefährden. Tatsächlich vereinbarte er später mit Mussolini, dass die deutschsprachigen Südtiroler sich zwischen Italien und dem Deutschen Reich entscheiden sollten. Wer für das Deutsche Reich optierte, sollte das Land verlassen und auf die Krim umsiedeln. Messners Eltern hätten das auf sich genommen, genau wie 86 Prozent der Deutschsprachigen.

Eine Geschichte von Messners Mutter

Wenn es um das Thema Identität geht, erinnert sich Messner gern an eine Geschichte, die seine Mutter ihm erzählte. Bei einem Spaziergang zeigte sie auf einen Hof an einem steilen Hang. Dem Eigentümer wurde gesagt, er solle sich entscheiden – also für Deutschland stimmen und umsiedeln. Der Hofbesitzer sagte, er wolle aber den gleichen Hof wieder bekommen. Man sagte ihm, er könne einen besseren Hof bekommen – auf einer flachen Ebene. Der Bauer aber sagte, er wolle genau den gleichen Hof: gleich steil, und dahinter wolle er die gleichen Berge sehen. Der Mann stimmte fürs Dableiben.

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4 Kommentare für “„Die verstehen nicht, dass wir keine Italiener sind“”

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  2. vom Berg sagt:

    Liebe Südtiroler, liebe Italiener,

    für mich als Deutscher ist Südtirol selbstverständlich Teil des deutschen Kulturraumes.
    Es gibt viel Menschen die ausserhalb Deutschlands leben und trotzdem ein Teil dieser Gemeinschaft sind.
    Siehe Belgien, Frankreich, Österreich etc. Wichtig ist, dass all diese Menschen selbstbestimmt leben dürfen, also eigene Sprache, Kultur usw.
    Anfeindungen helfen da wenig, wir sind alle Europäer!
    Dem italienischem Staat sollte und muss es aber auch Pflicht sein, den Südtirolern ihre Freiheit zuzugestehen, so wie es in demokratischen Ländern üblich ist, durch Wahlen!

    Liebe Grüße aus Deutschland

  3. Martin sagt:

    Ich finde ihn auch sehr gut. Es ist wichtig, dass auch außerhalb Süd-Tirol dieses Thema verbreitet wird!

  4. Daniela sagt:

    Toller Artikel

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